Leitgedanken


 

  Unter den Schönen Künsten nimmt die Musik eine Sonderstellung ein. Das gesprochene oder geschriebene Wort bedient sich des Kommunikationsmittels "Sprache", und auch die Bildende Kunst reflektiert letztlich das, was wir mit unseren Augen sehen.   Das Reich der Töne aber ist eine vom Menschen im besten Sinne "künstlich" geschaffene Welt. Und doch vermag gerade Musik wie kein anderes Medium, bei uns Empfindungen auszulösen, Emotionen freizusetzen und Stimmungen zu wecken. Jeder Versuch, sie mit konkreten Assoziationen zu verbinden, muß letztlich scheitern; trotzdem verstehen wir alle die "Sprache Musik" ohne Umwege und Übersetzungen.   Ein Stück Musik steckt in jedem Menschen. Wir nennen es Musikalität und wissen aus Erfahrung, wie stark entwickelbar diese Eigenschaft ist, wenn die Berührung mit Musik frühzeitig, intensiv und stetig erfolgt. Gerade deshalb bieten unsere allgemeinbildenden Schulen das Fach Musik als Pflichtunterricht an, damit jeder junge Mensch mit gewissen musikalischen Grundbegriffen in Berührung kommt. Ein wirklicher Ausbau der musikalischen Fähigkeiten kann aber nur durch eine intensivere Beschäftigung mit Musik, nämlich mit Singen und dem Erlernen eines Musikinstruments geschehen.   Diese Anforderung und Aufgabenstellung führten folgerichtig zur "Musikschule". Im Gegensatz zur allgemeinbildenden Schule sind Musikschulen Angebotsschulen. Der bekannte ungarische Komponist und Musikerzieher Zoltan Kodaly hat in Bezug auf die Musikschulen diesen Satz verwandt: "Diese Schulen sind keine Musikschulen, sondern Menschenschulen. Der Mensch ist ohne Musik nicht vollständig, sondern nur ein Fragment".
Im Zuge der praktischen Musikschularbeit hat sich als Ergebnis von Untersuchungen herausgestellt, daß intensive Beschäftigung mit Musik stark konzentrationsfördernd wirkt. Wir wissen, daß Musikgebildete und -interessierte einen wesentlichen Beitrag zu einer stabilen Gesellschaft leisten, daß Musikausübung das Sozialverhalten positiv beeinflußt, und daß schließlich musikalische Betätigung einen sicheren Immunschutz vor passivem Konsumverhalten und ähnlichen Gefahren unserer heutigen Zeit bildet.
  Alle diese Tatsachen sind jedoch nur schöne und durchaus willkommene Nebenprodukte der Musikschularbeit. Hauptanliegen wird immer sein, die Musik selbst als Kernstück mitteleuropäischen Kulturgutes zu pflegen, im Bewußtsein zu verankern, und damit zugleich unsere kulturelle Identität zu bewahren.   So entläßt die Musikschule aus ihrer Obhut am Ende der Ausbildungszeit junge Erwachsene, denen Musik ein Anliegen ist. Sie sind unsere Konzert- und Opernbesucher, sie engagieren sich im Bereich der Chöre, Laienorchester, Blaskapellen und Bands. Einige wenige besonders Begabte und Interessierte werden den Beruf des Musikers ergreifen. Alle zusammen aber leisten einen unverzichtbaren Beitrag, Musik lebendig zu halten und die Traditionen an kommende Generationen weiterzureichen.


Ulrich Wehner
Schulleitung

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